Tierversuche zählen zu den gesellschaftlich umstrittensten Forschungsmethoden und weisen eine lange, konfliktreiche Geschichte auf, die das heutige Recht prägt. Ihre Regulierung erschließt sich erst im Zusammenspiel mit biologischen Grundlagen, insbesondere der Konzeption von Tiermodellen, deren Erkenntnisleistung und evolutionsbedingten Grenzen. Zugleich steht das Tierschutzrecht neben einer heterogenen Tierethik, was häufig zu begrifflichen Verwechslungen führt. Zwar verweist das Tierversuchsrecht auf ethische Vertretbarkeit, tatsächlich handelt es sich jedoch um verwaltungsrechtliche Abwägungen nach rechtseigenen Funktionslogiken. Deren Rationalität hängt maßgeblich von tierphysiologischem und veterinärmedizinischem Wissen ab, das anhand anspruchsvoller Kategorien wie Empfindungsfähigkeit oder Bewusstsein bewertet wird.
Klaus Ferdinand Gärditz zeichnet anhand dieser interdisziplinären Grundlagen das rechtliche Modell eines Konfliktausgleichs nach. Er zeigt die unterschiedlichen Funktionen von Tierversuchen im Recht: In der Regulatorik, etwa im Chemikalien- und Arzneimittelrecht, dienen sie dem Nachweis stofflicher Eigenschaften in Verwaltungsverfahren. Demgegenüber zielt die biomedizinische Forschung primär auf wissenschaftliche Erkenntnis. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Erkenntniswert von Tiermodellen in der Grundlagenforschung, die zwar quantitativ bedeutsam ist, in öffentlichen Debatten jedoch oft hinter anwendungsbezogenen Erwartungen zurücktritt.
Animal experimentation is among the most socially contested research methods and has a long, conflict-laden history that continues to shape contemporary law. Its regulation can only be fully understood in conjunction with biological foundations, particularly the concept of animal models, their epistemic contributions, and their evolutionarily determined limits. At the same time, animal welfare law exists alongside a heterogeneous field of animal ethics, which often leads to conceptual confusion. While the law on animal experimentation ostensibly refers to ethical justifiability, it ultimately entails administrative balancing based on law-inherent functional logics. The rationality of such decisions depends significantly on knowledge from animal physiology and veterinary medicine, assessed through demanding categories such as sentience and consciousness.
The study develops these interdisciplinary foundations and traces the legal model of conflict resolution. It demonstrates the different functions of animal experimentation in law: within regulatory frameworks, such as chemicals and pharmaceutical law, experiments serve to establish properties of substances in specific administrative procedures. By contrast, biomedical research is primarily oriented toward generating scientific knowledge. Particular emphasis is placed on the epistemic value of animal models in basic research, which, although quantitatively highly significant, often remains overshadowed in public debates by expectations of practical application.
Produkteigenschaften
- Artikelnummer: 9783162007476
- Medium: Buch
- ISBN: 978-3-16-200747-6
- Verlag: Mohr Siebeck
- Erscheinungstermin: 30.08.2026
- Sprache(n): Deutsch
- Auflage: 1. Auflage 2026
- Produktform: Kartoniert, fadengeheftete Broschur
- Seiten: 530
- Format (B x H): 155 x 232 mm
- Ausgabetyp: Kein, Unbekannt
Themen
- Rechtswissenschaften
- Öffentliches Recht
- Umweltrecht
- Naturschutz-, Landschafts-, Tierschutz- und Seerecht
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