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Niehoff

Diskursive Integration ins Römische Reich

Der Dekalog zwischen Juden, Christen und Griechen

Medium: Buch
ISBN: 978-3-16-200678-3
Verlag: Mohr Siebeck
Erscheinungstermin: 30.11.2026
vorbestellbar, Erscheinungstermin ca. November 2026

Maren R. Niehoff investigates how one of many biblical law collections became the Decalogue and came to stand for universal ethics. Roman legal discourses play a decisive role, as Jewish, Christian, and Greek authors each integrated their respective traditions through the Decalogue within the Roman Empire. The following stages of development emerge from a philological and historical analysis of the texts: In the Bible and during the Second Temple period, the Ten Commandments do not yet occupy a special position, neither in Hebrew-speaking nor in Greek-speaking Judaism. Philo of Alexandria breaks new ground in the first century, the first to devote a separate treatise to the Decalogue as a foundational ethical law, drawing inspiration from Roman legal manuals.
In the writings of the New Testament, which are examined here in chronological order, the universal significance of the Ten Commandments first appears in the Epistle to the Romans, which nuances the sharp critique of the Law found in Galatians. Paul combines faith in Christ with praise of the ruler and, like Seneca, advocates universal ethical norms in conjunction with the commandment to love. The Decalogue is also discernible in the Synoptic Gospels, which employ it in a Pauline manner.
Josephus and the rabbinic literature interpret the Decalogue as part of a process of differentiation from Christianity. Two hermeneutical focal points become apparent: the role of the priests in reciting the Decalogue in the Jerusalem Temple, and the response to the Christian appropriation of the Decalogue's universal commandments.
In Late Antiquity, Christian and pagan authors debate the Decalogue in relation to Judaism. Orthodox positions consolidate through recourse to the Decalogue, whereas heterodox authors marginalize it. Emperor Julian appeals to the Decalogue in a final attempt to unite the Roman Empire under universal values.

Maren R. Niehoff zeigt, wie aus einer von vielen biblischen Gesetzessammlungen der Dekalog wurde - und mit ihm eine Richtschnur universaler Ethik. Römische Rechtsdiskurse spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn jüdische, christliche und griechische Autoren integrieren ihre jeweilige Tradition über den Dekalog im Römischen Reich.

Folgende Entwicklungsstufen ergeben sich bei einer philologisch und historisch orientierten Textanalyse:

In der Bibel und zur Zeit des Zweiten Tempels spielen die Zehn Gebote noch keine besondere Rolle, weder im hebräisch- noch im griechischsprachigen Judentum. Die Pionierarbeit leistet im ersten Jahrhundert Philon von Alexandria, der dem Dekalog als ethischem Grundgesetz erstmals einen separaten Traktat widmet, inspiriert von Handbüchern des römischen Rechts.

In den Schriften des Neuen Testaments, die hier chronologisch behandelt werden, erscheint die universale Geltung der Zehn Gebote erst im Römerbrief, der die scharfe Gesetzeskritik des Galaterbriefes nuanciert. Paulus verbindet den Christusglauben mit dem Herrscherlob und fordert, wie Seneca, universale ethische Normen, die er an das Liebesgebot bindet. Auch die synoptischen Evangelien greifen den Dekalog auf und lesen ihn paulinisch.

Josephus und die rabbinische Literatur interpretieren den Dekalog als Teil eines Abnabelungsprozesses vom Christentum. Dabei treten zwei hermeneutische Knotenpunkte hervor: die Rolle der Priester beim Rezitieren des Dekalogs im Jerusalemer Tempel und die Reaktion auf die christliche Inanspruchnahme der universalen Gebote des Dekalogs.

In der Spätantike führen christliche und pagane Autoren Debatten über den Dekalog im Blick auf das Judentum. Orthodoxe Positionen konsolidieren sich durch Rekurs auf den Dekalog, während heterodoxe Autoren ihn marginalisieren. Kaiser Julian appelliert an den Dekalog in einem letzten Versuch, das Römische Reich unter universalen Werten zu vereinen.


Produkteigenschaften


  • Artikelnummer: 9783162006783
  • Medium: Buch
  • ISBN: 978-3-16-200678-3
  • Verlag: Mohr Siebeck
  • Erscheinungstermin: 30.11.2026
  • Sprache(n): Deutsch
  • Auflage: 1. Auflage 2026
  • Serie: Tria Cordia
  • Produktform: Kartoniert, Broschur
  • Seiten: 250
  • Format (B x H): 113 x 181 mm
  • Ausgabetyp: Kein, Unbekannt
Autoren/Hrsg.

Autoren

Geboren 1963; 1989 Promotion an der University of Oxford; Max Cooper Professor für Jüdisches Denken an der Hebräischen Universität Jerusalem, Israel; Mitglied der Israelischen Akademie der Wissenschaften.

Einleitung: Wie kann man sich den Anfängen nähern? 1. Die Erfindung des Dekalogs im römischen Kontext: Philon von Alexandria als Pionier einer ethischen Gesetzeskonzeption im Judentum 2. Der späte Durchbruch zum Dekalog im Neuen Testament 3. Von Flavius Josephus bis zu den Rabbinen: Wird die Sonderstellung des Dekalogs im Judentum gewahrt? 4. Spätantike Debatten: Der Dekalog zwischen Christen, Juden und Griechen 5. Fazit