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Panov

Die JHWH-Religion und die Vorstellung göttlicher Gesetzgebung

Überschneidungen zwischen der Rechtsentwicklung und der Sphäre der Religion in der Geschichte des antiken Israel und Juda

Medium: Buch
ISBN: 978-3-16-200625-7
Verlag: Mohr Siebeck
Erscheinungstermin: 30.09.2026
vorbestellbar, Erscheinungstermin ca. September 2026

Lida Leonie Panov untersucht die Anfänge und die Entwicklung der Vorstellung göttlichen Rechts in der neuassyrischen Zeit und zeigt die Bedeutung dieser Vorstellung für das Verhältnis von Recht und Religion in der Geschichte des antiken Israel und Juda auf. Dabei werden die politischen und theologischen Spannungen deutlich, die sich um die Rolle des Königs ergeben. Von Bedeutung ist zudem die Frage nach den Schreibergruppen, denen die literarischen Prozesse der Theologisierung des Rechts zuzuschreiben sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bestimmung der religiösen Segmente in der Rechtspraxis, die sich im biblischen Prozessrecht, in Ordalverfahren und in Rechtsritualen zeigen. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zweier Ebenen: die literarische Theologisierung des Rechts einerseits, die religiösen Segmente in der tatsächlich geübten Rechtspraxis andererseits. Vor dem Hintergrund der altorientalischen Rechtstradition wird rekonstruiert, wie sich die in der Hebräischen Bibel spezifische Transformation des profanen Rechts hin zu einem von Gott gegebenen Gesetz vollzog. In diesem Zusammenhang ist auffällig, dass sich die biblischen Rechtstexte kaum mit der Institution des Ko¨nigtums auseinandersetzen - eine Beobachtung, die offenbar eng mit der Vorstellung göttlicher Gesetzgebung verbunden ist: Wenn Gott als Gesetzgeber verstanden wird, bedarf der Inhalt der Rechtstexte keiner Legitimation durch einen König. Darüber hinaus wird die Rolle priesterlicher Schreibergruppen thematisiert und es werden Überschneidungen zwischen der Rechtsentwicklung und der Spha¨re der Religion in der Rechtspraxis diskutiert. Panov legt damit eine Gesamtsicht auf die Verflechtung von Recht und Religion im antiken Israel und Juda vor und eröffnet neue Perspektiven für die biblische Rechtsgeschichte.

Lida Leonie Panov examines the origins and development of the concept of divine law during the Neo-Assyrian period and highlights the significance of this concept for the relationship between law and religion in the history of ancient Israel and Judah. In doing so, she draws attention to the political and theological issues surrounding the role of the king. A second question concerns the scribal groups responsible for the literary processes by which the law was theologized. Another focus lies on identifying the religious elements in legal practice, which are evident in biblical procedural law, ordeal proceedings, or legal rituals. Panov insists on a crucial distinction: the literary theologization of law on the one hand, and the religious elements embedded in actual legal practice on the other. Against the backdrop of the ancient Near Eastern legal tradition, this study reconstructs the transformation - unique to the Hebrew Bible - of secular law into a law given by God. In this context, it is striking that the biblical legal texts say remarkably little about the institution of kingship - an observation that is apparently closely linked to the concept of divine legislation: Once God is the lawgiver, the content of the legal texts requires no legitimation by a king. In addition, the study examines the role of priestly scribal groups and discusses the intersections between legal development and the sphere of religion in legal practice. The author thus makes a fundamental contribution to our understanding of the interplay between law and religion in ancient Israel and Judah and opens up new perspectives for research into biblical legal history.


Produkteigenschaften


  • Artikelnummer: 9783162006257
  • Medium: Buch
  • ISBN: 978-3-16-200625-7
  • Verlag: Mohr Siebeck
  • Erscheinungstermin: 30.09.2026
  • Sprache(n): Deutsch
  • Auflage: 1. Auflage 2026
  • Serie: Forschungen zum Alten Testament
  • Produktform: Gebunden, Leinen
  • Format (B x H): 155 x 232 mm
  • Ausgabetyp: Kein, Unbekannt
Autoren/Hrsg.

Autoren

Geboren 1986; Studium der Theologie in Zürich und Jerusalem (Dormitio); 2013-15 Forschungsaufenthalte an der Tel Aviv University; 2018 Promotion, Universität Zürich; 2017-19 pastorale Ausbildung und Gemeindedienst am Zürichsee; 2025 Habilitation; derzeit Leitung eines SNSF-Ambizione-Forschungsprojekts an der Universität Zürich.

1. Recht in der hebräischen Bibel
1.1 Einführung und Fragestellung
a) Vorbemerkung
b) Das Problem der Bestimmung von biblischen Rechtstexten
c) Vorblick auf den Argumentationsgang
1.2 Forschungsgeschichte zur biblischen Rechtsgeschichte
1.3 Die Literaturgeschichte des Bundesbuches
1.4 Das Bundesbuch vor dem deuteronomischen Gesetz - ein Test

2. Grundlagen der Theologisierung des Rechts
2.1 Vorbemerkung
2.2 Die Grundidee des Rechts
2.3 Rechtliche und solare Elemente beim Gott Jhwh
2.4 Die Bedeutung der Jhwh-Israel-Verbindung für die Theologisierung des Rechts
2.5 Biblische und altorientalische Quellentexte zu sozialen Schutzbestimmungen
2.6 Die historische Entwicklung eines Solidarethos
2.7 Folgerungen

3. Die theologische Spannung zwischen Gott, Gesetz und Königtum
3.1 Vorbemerkung
3.2 Aspekte der biblischen Königsideologie
3.3 Das Verhältnis von Gott und König in biblischen und in altorientalischen Texten
3.4 Königskritische Positionen oder das Problem mit dem Königtum
3.5 Die limitierte Funktion des Königs als Gesetzgeber
3.6 Folgerungen

4. Die Theologisierung des Rechts als Werk priesterlicher Schreiber
4.1 Vorbemerkung
4.2 Grundlegendes zu Schreibern und zur Schreiberausbildung
4.3 Einige Beobachtungen zur Identität und zu den Fähigkeiten der Schreiber in ausserbiblischen Quellen
4.4 Rechtliche Zusammenhänge im Proverbienbuch
4.5 Sozialethische Positionen im Proverbienbuch
4.6 Kultkritik im Proverbienbuch und in den Büchern Amos und Hosea
4.7 Der Einfluss der priesterlichen Schreibergruppen
4.8 Folgerungen

5. Ritualsymbolische Handlungen und religiöses Denken in der biblischen Rechtspraxis
5.1 Vorbemerkung
5.2 Darstellungen zur Prozessordnung in Ex 22,6-10; Dtn 16,18 und Dtn 17,6-13
5.3 Die Beweismittel im neubabylonischen und biblischen Prozessrecht
5.4 Richter und Priester im babylonischen und biblischen Prozessrecht
5.5 Das Ordal: Der Einbezug des göttlichen Urteils ins biblische Prozessrecht
5.6 Recht und Religion im Kontext von biblischen Rechtsritualen
a) Überlegungen zu den grundlegenden Merkmalen von Rechtsritualen
b) Jhwh als Akteur bei Rechtsritualen
c) Die Asylgesetzgebung und das Ergreifen der Altarhörner
d) Die Symbolhandlung des Schuheausziehens
e) Das Rechtsproblem einer unaufgeklärten Tötung und das Ritual mit einer jungen Kuh
f) Das Durchstechen des Ohrs bei einem Sklaven
5.7 Folgerungen

6. Die Interdependenz von Recht und Religion in der Geschichte des antiken Israel und Juda
6.1 Vorbemerkung
6.2 Forschungsgeschichte zum Verhältnis von Recht und Religion
6.3 Überschneidungen zwischen der Rechtsentwicklung und der Sphäre der Religion in der Darstellung der Rechtspraxis
6.4 Überlegungen zur Funktion der biblischen Rechtstexte
6.5 Folgerungen

7. Weiterentwicklungen der Vorstellung vom göttlichen Recht im Deuteronomium
7.1 Vorbemerkung
7.2 Dtn 12,13-19 als literarischer Kern in Dtn 12
7.3 Die Bedeutung der rezipierten Zentralisationsforderung in Dtn 16,2.5-7
7.4 Die Erlaubnis zur Profanschlachtung und zum Umtausch des Zehnten für Geld als Säkularisierung?
7.5 Die Bestimmungen zum Erlassjahr Dtn 15,1-11
7.6 Folgerungen

8. Abschliessende Betrachtungen

1. Recht in der hebräischen Bibel
1.1 Einführung und Fragestellung
a) Vorbemerkung
b) Das Problem der Bestimmung von biblischen Rechtstexten
c) Vorblick auf den Argumentationsgang
1.2 Forschungsgeschichte zur biblischen Rechtsgeschichte
1.3 Die Literaturgeschichte des Bundesbuches
1.4 Das Bundesbuch vor dem deuteronomischen Gesetz - ein Test

2. Grundlagen der Theologisierung des Rechts
2.1 Vorbemerkung
2.2 Die Grundidee des Rechts
2.3 Rechtliche und solare Elemente beim Gott Jhwh
2.4 Die Bedeutung der Jhwh-Israel-Verbindung für die Theologisierung des Rechts
2.5 Biblische und altorientalische Quellentexte zu sozialen Schutzbestimmungen
2.6 Die historische Entwicklung eines Solidarethos
2.7 Folgerungen

3. Die theologische Spannung zwischen Gott, Gesetz und Königtum
3.1 Vorbemerkung
3.2 Aspekte der biblischen Königsideologie
3.3 Das Verhältnis von Gott und König in biblischen und in altorientalischen Texten
3.4 Königskritische Positionen oder das Problem mit dem Königtum
3.5 Die limitierte Funktion des Königs als Gesetzgeber
3.6 Folgerungen

4. Die Theologisierung des Rechts als Werk priesterlicher Schreiber
4.1 Vorbemerkung
4.2 Grundlegendes zu Schreibern und zur Schreiberausbildung
4.3 Einige Beobachtungen zur Identität und zu den Fähigkeiten der Schreiber in ausserbiblischen Quellen
4.4 Rechtliche Zusammenhänge im Proverbienbuch
4.5 Sozialethische Positionen im Proverbienbuch
4.6 Kultkritik im Proverbienbuch und in den Büchern Amos und Hosea
4.7 Der Einfluss der priesterlichen Schreibergruppen
4.8 Folgerungen

5. Ritualsymbolische Handlungen und religiöses Denken in der biblischen Rechtspraxis
5.1 Vorbemerkung
5.2 Darstellungen zur Prozessordnung in Ex 22,6-10; Dtn 16,18 und Dtn 17,6-13
5.3 Die Beweismittel im neubabylonischen und biblischen Prozessrecht
5.4 Richter und Priester im babylonischen und biblischen Prozessrecht
5.5 Das Ordal: Der Einbezug des göttlichen Urteils ins biblische Prozessrecht
5.6 Recht und Religion im Kontext von biblischen Rechtsritualen
a) Überlegungen zu den grundlegenden Merkmalen von Rechtsritualen
b) Jhwh als Akteur bei Rechtsritualen
c) Die Asylgesetzgebung und das Ergreifen der Altarhörner
d) Die Symbolhandlung des Schuheausziehens
e) Das Rechtsproblem einer unaufgeklärten Tötung und das Ritual mit einer jungen Kuh
f) Das Durchstechen des Ohrs bei einem Sklaven
5.7 Folgerungen

6. Die Interdependenz von Recht und Religion in der Geschichte des antiken Israel und Juda
6.1 Vorbemerkung
6.2 Forschungsgeschichte zum Verhältnis von Recht und Religion
6.3 Überschneidungen zwischen der Rechtsentwicklung und der Sphäre der Religion in der Darstellung der Rechtspraxis
6.4 Überlegungen zur Funktion der biblischen Rechtstexte
6.5 Folgerungen

7. Weiterentwicklungen der Vorstellung vom göttlichen Recht im Deuteronomium
7.1 Vorbemerkung
7.2 Dtn 12,13-19 als literarischer Kern in Dtn 12
7.3 Die Bedeutung der rezipierten Zentralisationsforderung in Dtn 16,2.5-7
7.4 Die Erlaubnis zur Profanschlachtung und zum Umtausch des Zehnten für Geld als Säkularisierung?
7.5 Die Bestimmungen zum Erlassjahr Dtn 15,1-11
7.6 Folgerungen

8. Abschliessende Betrachtungen