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Roeingh

Geheime Daten

Staatlicher Datenzugang und grundrechtlicher Geschäftsgeheimnisschutz

Medium: Buch
ISBN: 978-3-16-200653-0
Verlag: Mohr Siebeck
Erscheinungstermin: 21.07.2026
Lieferfrist: bis zu 10 Tage

Die Dissertation untersucht die rechtlichen Rahmenbedingungen staatlicher Datenzugangsrechte gegenüber privaten Unternehmen (Business-to-Government-Data-Sharing). Im Zentrum steht der grundrechtliche Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass datenbasierte staatliche Entscheidungen eine wesentliche Voraussetzung rationaler Gemeinwohlpolitik sind. Zugleich liegt in der Datengesellschaft ein erheblicher Teil hochgranularer Daten in den Silos privater Unternehmen. Diese Daten betreffen zentrale Bereiche staatlicher Aufgabenerfüllung - etwa Mobilität, Gesundheit, Umwelt, Energie und Katastrophenschutz. Aufgrund ökonomischer Anreizstrukturen halten Unternehmen sie faktisch exklusiv. So entsteht eine asymmetrische Datenlandschaft, in der staatliche Informations- und Interventionsmöglichkeiten strukturell begrenzt sind. Nik Roeingh nimmt diesen Befund zum Anlass für eine dogmatische Analyse der Voraussetzungen, unter denen der Staat auf privatwirtschaftliche Daten zugreifen darf. Im Mittelpunkt steht das Spannungsverhältnis zwischen dem öffentlichen Interesse an evidenzbasierten Entscheidungen und staatlicher Innovationsförderung einerseits sowie dem grundrechtlichen Schutz wirtschaftlicher Freiheitsräume andererseits. Geschäftsgeheimnisse partizipieren am Schutz der Wirtschaftsgrundrechte; ein voraussetzungsloser staatlicher Zugriff ist daher ausgeschlossen. Vor diesem Hintergrund klärt der Autor grundlegende grundrechtliche und verwaltungsrechtliche Fragen staatlicher Datenzugangsrechte. Ergänzend werden ökonomische Ansätze herangezogen, um die Auswirkungen von Datenzugangsrechten auf Innovation, Wettbewerb und die Datenökonomie zu analysieren.
Die Dissertation analysiert bestehende und entstehende nationale und europäische Regulierungsansätze - insbesondere den Data Act - und entwickelt Kriterien für eine grundrechtskonforme Ausgestaltung staatlicher Datenzugangsrechte. Sie zeigt, wie sich das Spannungsverhältnis zwischen öffentlichem Datenzugangsinteresse und privatwirtschaftlichen Geheimhaltungsinteressen rechtlich austarieren lässt, und leistet damit einen Beitrag zur dogmatischen Einordnung des Business-to-Government-Data-Sharing im europäischen Digital- und Datenrecht.

The dissertation examines the legal framework governing state data access rights vis-à-vis private companies (business-to-government data sharing), with a particular focus on the fundamental rights protection of trade secrets. It starts from the observation that data-driven governmental decision-making is a key prerequisite for rational public-interest policy. At the same time, in the data society, a substantial share of highly granular data is stored in the silos of private companies. This data covers central areas of public responsibility - such as mobility, health, the environment, energy, and disaster management. Due to economic incentive structures, companies retain it on a de facto exclusive basis. This gives rise to an asymmetric data landscape in which the state's informational and intervention capacities are structurally limited. The author contrasts this finding with a doctrinal analysis of the conditions under which the state may access privately held data. takes this finding as the occasion for a doctrinal analysis of the conditions under which the state may access privately held data. At its core lies the tension between the public interest in evidence-based decision-making and state innovation policy on the one hand, and the fundamental rights protection of economic freedoms on the other.Trade secrets participate in the protection afforded by economic fundamental rights; unconditional state access is therefore precluded. Against this background, the author clarifies fundamental constitutional and administrative law questions concerning state data access rights. Economic approaches are additionally drawn upon to assess the impact of data access rights on innovation, competition, and the data economy.The dissertation analyses existing and emerging national and European regulatory approaches - in particular the Data Act - and develops criteria for designing state data access rights in conformity with fundamental rights. It demonstrates how the tension between the public interest in data access and private interests in data secrecy can be legally balanced, thereby contributing to the doctrinal classification of business-to-government data sharing within European digital and data law.


Produkteigenschaften


  • Artikelnummer: 9783162006530
  • Medium: Buch
  • ISBN: 978-3-16-200653-0
  • Verlag: Mohr Siebeck
  • Erscheinungstermin: 21.07.2026
  • Sprache(n): Deutsch
  • Auflage: 1. Auflage 2026
  • Serie: Schriften zum Recht der Digitalisierung
  • Produktform: Kartoniert, fadengeheftete Broschur
  • Gewicht: 636 g
  • Seiten: 426
  • Format (B x H x T): 158 x 232 x 27 mm
  • Ausgabetyp: Kein, Unbekannt
Autoren/Hrsg.

Autoren

Geboren 1996; Studium der Rechtswissenschaft in Leipzig und Münster; 2021 Erstes Staatsexamen (OLG Hamm); 2023 Chercheur invité an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne; Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer; 2026 Promotion (Universität der Bundeswehr München); Rechtsreferendariat beim Kammergericht Berlin; Forschungsreferent am Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer.

Prolegomena A. Der Zugang zu Daten als Elementarbaustein eines intelligenten Staates - B. Der staatliche Zugang zu Daten als Eingriff in die unternehmerische Geheimsphäre - C. Ziel der Untersuchung - D. Gang der Untersuchung Kapitel 1: Das Phänomen Business-to-Government-Data-Sharing A. Data - Daten als Zugangsobjekt - B. Government - Der Staat als Zugangsberechtigter - C. Business - Private Unternehmen als Zugangsverpflichtete Kapitel 2: Die Datafizierung des Geschäftsgeheimnisschutzes A. Historische und wettbewerbliche Dimensionen wirtschaftlich motivierter Geheimhaltung von Informationen - C. Geheimnisrechtliche Trennungslinien - D. Daten als Geschäftsgeheimnisse Kapitel 3: Der staatliche Zugang zu geheimen Daten als materielle Grundrechtsbeschränkung A. Grundrechtsbetroffenheit des zugangsverpflichteten Unternehmens - B. Der staatliche Zugang zu geheimen Daten als Eingriff - C. Grundrechtliche Rechtfertigung des staatlichen Zugangs zu geheimen Daten Zusammenfassung A. (Rechts-)Ökonomische Einordnung von Daten als Zugangsobjekt - B. Daten als Grundlage und Ziel staatlicher Steuerung - C. Restriktionsmechanismen staatlicher Datenzugänge - D. Vom dualistischen zum monistischen Geschäftsgeheimnisbegriff - E. Die Datafizierung des Geschäftsgeheimnisses - F. Grundrechtsdimensionen des Geheimnisschutzes - G. Eingriffsqualität des staatlichen Zugangs zu geheimen Daten - H. Grundrechtliche Rechtfertigung des staatlichen Zugangs zu geheimen Daten - I. Gemeinsame europäische Datenräume als demokratische Wissensermächtigungsstrategie