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Wendel

Textkonventionen am Bundesverfassungsgericht auf der Spur

Eine korpusgestützte Untersuchung von Teiltextsorten und Registereigenschaften

Medium: Buch
ISBN: 978-3-16-164821-2
Verlag: Mohr Siebeck
Erscheinungstermin: 11.11.2025
Lieferfrist: bis zu 10 Tage

Die sprachliche Form von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts ist bisher kaum systematisch untersucht. Luisa Wendel widmet sich dieser Lücke durch eine empirische Studie, die qualitative Analysen mit quantitativen, computergestützten Methoden verbindet. Den Ausgangspunkt bilden normative Vorgaben, die mit Blick auf konkrete Sprachphänomene überprüft werden. Grundlage ist ein umfangreiches Korpus von rund 3.400 Entscheidungen aus der Amtlichen Sammlung sowie 6.900 weitere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Besonderes Augenmerk gilt den Teiltexten wie Rubrum, Tenor, Gründe, Tatbestand, Zulässigkeit, Begründetheit und Maßstabsteil, die automatisch oder manuell annotiert und nach Länge, Häufigkeit und sprachlicher Ausprägung ausgewertet werden. Die Autorin zeigt, wie stark diese Teiltexte konventionalisiert sind, welche Unterschiede je nach Entscheidungsart oder Spruchkörper bestehen und wie sich Entwicklungen über die Zeit vollziehen. So wird deutlich, dass die Teile Tatbestand und Begründetheit länger und einheitlicher werden und zunehmend einleitende Zusammenfassungen enthalten. Zugleich verschwinden frühere Besonderheiten, etwa Tatbestände ohne eigenen Teiltext. Die Studie belegt, dass computergestützte Methoden für die Analyse höchstrichterlicher Texte fruchtbar sind und zu neuen Einsichten führen, die aus der Betrachtung einzelner Entscheidungen nicht gewonnen werden können. Damit verbindet die Arbeit Rechtswissenschaft und Sprachwissenschaft und trägt zur Öffnung des Fachs für digitale Methoden bei.

Die Arbeit wurde mit dem Promotionspreis der Juristischen Fakultät 2025 der Humboldt-Universität zu Berlin im Fachgebiet Öffentliches Recht und dem Förderpreis "Sprache und Recht" 2025 der Universität Regensburg ausgezeichnet.

The linguistic form of decisions of the German Federal Constitutional Court remains largely unexplored. In this dissertation, the author undertakes a systematic empirical analysis that combines close readings of individual texts with large-scale computational methods. The foundation is a corpus of around 3,400 rulings from the Official Digest and 6,900 additional decisions of the German Federal Constitutional Court. Special attention is given to text segments such as rubric, tenor, reasoning, statement of facts, admissibility, merits, and the so-called "standards section". These are annotated either automatically or manually and analysed with respect to their frequency, length, and linguistic properties. The findings show that the degree of conventionalisation varies according to type of decision, outcome, and judicial body, with official rulings being more standardised than chamber decisions. Norm control procedures, for example, produce longer and more complex structures. The study also identifies diachronic developments: texts become longer, more uniform, and more consistently organised, with introductory summary sentences increasingly established. Initial peculiarities-such as missing text segments or unusual subdivisions-disappear over time. By applying digital methods to constitutional jurisprudence, the work uncovers patterns invisible in single-case studies, confirming some scholarly intuitions while challenging others. It thereby opens new avenues for both linguistic and legal research and exemplifies the effective intersection of law and the digital humanities.


Produkteigenschaften


  • Artikelnummer: 9783161648212
  • Medium: Buch
  • ISBN: 978-3-16-164821-2
  • Verlag: Mohr Siebeck
  • Erscheinungstermin: 11.11.2025
  • Sprache(n): Deutsch
  • Auflage: 1. Auflage 2025
  • Produktform: Kartoniert, fadengeheftete Broschur
  • Gewicht: 532 g
  • Seiten: 351
  • Format (B x H x T): 154 x 231 x 19 mm
  • Ausgabetyp: Kein, Unbekannt
Autoren/Hrsg.

Autoren

Geboren 1988; Studium in Göttingen und Galway; 2013 Erste Juristische Prüfung und Magistra Legum Europae; Rechtsreferendariat am Kammergericht; 2016 Zweite Juristische Staatsprüfung; Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, insb. Verfassungsrecht, und Rechtsphilosophie der Humboldt-Universität zu Berlin; 2024 Promotion.

Einleitung
Kapitel 1: Textsortenforschung
A. Textsorten und Textlinguistik - B. Beschreibungsdimensionen für Textsorten - C. Juristische Textsorten - D. Das weitere Programm dieser Arbeit
Kapitel 2: Das Korpus
A. Grundlagen der Arbeit mit Korpora - B. Erstellung des Ausgangskorpus - C. Zwischenfazit
Kapitel 3: Teiltexte
A. Teiltexte in Entscheidungen - B. Teiltexte in den Gründen - C. Teiltexte in der Begründetheit
Kapitel 4: Sprachliche Eigenschaften
A. Theorie - B. Tatbestand und Entscheidungsgründe - C. Maßstab und Subsumtion - D. Zwischenfazit
Zusammenfassung
Appendix: A. Reguläre Ausdrücke für die Annotation von Entscheidungs-bestandteilen - B. Annotationsrichtlinien - C. Zusätzliche Abbildungen - D. Inhaltsbezogene Lexical Bundles in Tatbestand und Entschei-dungsgründen (amtliche Sammlung)

Einleitung
Kapitel 1: Textsortenforschung
A. Textsorten und Textlinguistik - B. Beschreibungsdimensionen für Textsorten - C. Juristische Textsorten - D. Das weitere Programm dieser Arbeit
Kapitel 2: Das Korpus
A. Grundlagen der Arbeit mit Korpora - B. Erstellung des Ausgangskorpus - C. Zwischenfazit
Kapitel 3: Teiltexte
A. Teiltexte in Entscheidungen - B. Teiltexte in den Gründen - C. Teiltexte in der Begründetheit
Kapitel 4: Sprachliche Eigenschaften
A. Theorie - B. Tatbestand und Entscheidungsgründe - C. Maßstab und Subsumtion - D. Zwischenfazit
Zusammenfassung
Appendix: A. Reguläre Ausdrücke für die Annotation von Entscheidungs-bestandteilen - B. Annotationsrichtlinien - C. Zusätzliche Abbildungen - D. Inhaltsbezogene Lexical Bundles in Tatbestand und Entschei-dungsgründen (amtliche Sammlung)